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Sparen am falschen Ort

Etwa dreissig Franken sollen die Patientinnen und Patienten in die Hand nehmen, so denkt man im Bundesamt für Gesundheit laut nach, wenn man in Zukunft eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen will. Diese Gebühr soll dazu erziehen, unnötige Arztbesuche zu vermeiden und lieber zuerst in der Apotheke Rat oder Hilfe einzuholen. Nachdem die Versicherten bereits einen höheren Selbstbehalt und höhere Franchisen bezahlen müssen, die Krankenkassenprämien im nächsten Jahr um weitere zehn Prozent in die Höhe klettern, soll nun also noch eine Praxisgebühr hinzu kommen? Für eine vierköpfige Familie würde das bedeuten, dass ihre Gesundheitsausgaben pro Jahr zusätzlich um mehrere hundert Franken in die Höhe steigen würden. Getroffen würden mit dieser Massnahme Familien, Kinder und Leute mit einem kleinen Einkommen.

Es gibt andere, wirksamere Sparmassnahmen. Allerdings sind diese weniger einfach durchzusetzen: Während die Patientinnen und die Versicherten über keine wirkliche Lobby im Bundeshaus verfügen, kann beispielsweise die Pharmaindustrie ihre Interessen fast mühelos durchsetzen. Ihnen ist es zu verdanken, dass Parallelimporte von Medikamenten verboten bleiben und Herr und Frau Schweizer weiterhin unnötig hohe Medikamentenpreise, beziehungsweise Krankenkassenprämien bezahlen müssen.

Daran sollten Krankenkassen, Ärzte, Gesundheitsdirektoren und das Bundesamt für Gesundheit denken, wenn sie nächste Woche zusammensitzen und über mögliche Sparmassnahmen bei den Gesundheitskosten nachdenken. Vermutlich wird auch der Vorschlag einer Praxisgebühr diskutiert. Wir erwarten, dass die Gebühr unter diesen runden Tisch gewischt wird – alles andere wäre Sparen am falschen Ort.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

 


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4 Kommentare zu “Sparen am falschen Ort”



Peter Keller

Ich finde den Vorschlag gut dass man 30 Fr. pro Arztbesuch in die Hand nehmen muss, unabhängig von der Franchise und ob diese schon erreicht wurde. Es gibt zu viele Leute die wegen jeder Grippe oder anderen Bagatellen zum Arzt gehen. Viele Parteien tragen zu den exorbitant hohen Gesundheitskosten bei, darunter eben auch die Patienten. Für mich
heisst es bezüglich den diversen möglichen Sparmassnahmen im Gesundheitswesen nicht „entweder oder“ sondern „sowohl als auch“.



Walter Koch

Nur weil Couchpin ein totaler Versager ist sollen wir als Prämienzahler wieder ausgenommen werden.
Für das hätte er nicht ein Jahrelanges Blabla machen müssen.



Köppel

An wen geht diese (unnötige) Praxisgebühr? Wird sie mit dem Arzthonorar verrechnet? Wenn ja: wenn der Arzt sich maximal 10 Minuten mit dem Patienten beschäftigt, wie hoch ist dann sein Stundenlohn?
In Deutschland wurde diese Gebühr leider auch schon vor einigen Jahren eingeführt, und die Verwaltungskosten waren höher als der Nutzen.
Weiterhin sehe ich ein Problem bei der Beratung durch den Apotheker: er ist am Verkauf interessiert, wird also in den seltensten Fällen raten, nichts chemisches einzunehmen oder einen Naturheilpraktier zu konsultieren.
Gruss
H.K.



Etterlin Margrit

Sparen am falschen Ort. Sie schreiben es richtig. Was könnte mit den Medikamenten gespart werden, wenn diese Pharmaloby es nicht stets verhindern würde. Ich bin entsetzt über diese neue Idee der Praxisgebühr. Es trifft einmal mehr den Kleinen. Ihm wird dauernd abgerupft, bis er blutet! Wegen paar Leuten, die unnötig zum Arzt gehen, müssten nun
wieder alle leiden. Wenn man älter wird, ist doch klar, dass man etwas öfter zum Arzt muss. Geschweige jene Leute, die krank sind; sie werden bestraft. Couchepin und CO suchen die perfidesten Wege, statt endlich dort anzusetzen, wo hohe Beträge eingespart werden könnten, wie das Spital oder die Medikamentenpreise. Dieser Filz macht mich wütig.
Auch die Erhöhung der Prämienverbilligung ist für mich fraglich. Ich bekomme just keine, aber mit meinem Einkommen schmerzen 10% Prämienerhöhung recht. Für den untern Mittelstand wird’s immer schlimmer. Und nun noch Fr. 30 pro Artzbesuch dazu. Da krieg ich wirklich Bauchweh. Schliesslich muss man mit über 50 auch ab und zu Checks up machen.
Jedenfalls schmerzen mich die Belastungen. Die Leute werden vor Kostendruck allmählich krank. Die Folge könnte auch völlig neg.sein. Die Leute gehen nicht oder viel zu spät zum Arzt wegen der zusätzlichen Kosten und die Behandlung wird dann viel teurer als sie zu Beginn der Erkrankung gewesen wäre.
Ich hoffe sehr, dass der Konsumentenschutz sich sehr einsetzt, dass diese Praxisgebühr verhindert werden kann. Vielen Dank für Ihr Engagement. Ich bleibe gerne Mitglied, weil ich weiss, wie wichtig Ihre Stimme und Ihr Handeln ist in solch heissen Debatten für uns einfache Bürger, die nichts zu sagen haben.
Mit freundlichen Grüssen
M. Etterlin

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