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Spaghetti-Spionage

Hochspannung gestern im Schweizer Fernsehen. Erste Szene: Neueröffnung der Lidl-Filiale in Winterthur. Die ersten Kundinnen und Kunden  stehen Schlange, startklar mit grossen Einkaufswagen vor den noch geschlossenen Türen. Daneben ein Alphornbläser-Duo, das lustig zur Unterhaltung bläst. Dann, zweite Szene, endlich hinein in den neuen Laden. Durch die langen Reihen, mit Kennerblick die Regale abscannen. Die Kunden scheinen relativ gelassen. Allerdings hat die Kamera auch Besucher ausgemacht, die es genau nehmen. Dritte Szene. Hier zum Beispiel einer, den Mantelkragen hochgeschlagen, spricht er in ein kleines, verstecktes Aufnahmegerät. Sein Gesicht wird verfremdet, damit man ihn nicht kennt. Was  hat er für eine geheime Mission? Ach so, er spricht die Preise ins Mikrofon! Und er ist nicht der einzige: Andere sind mit dem Notizblock unterwegs. Fiebrig notieren sie, was der neue Discounter verlangt für seine Spaghetti, Fertigpizza oder Rüben. Und in der Zeitung taucht die Foto von Denner-Angestellten auf, die bei Lidl Windeln erstehen. Jetzt verstehe ich erst: So laufen diese Preisvergleiche! Man geht zur Konkurrenz einkaufen. (Besonders raffiniert diejenigen, welche die Produkte gar nicht erst kaufen – das würde ja den Umsatz steigern – sondern nur die Preise mitgehen lassen.) Und nach dem Vergleich mit den eigenen Preisen? Schräubelt man dann ein paar Rappen dran herum – oder belässt sie wie sie sind.

Wie tief geht Lidl mit seinen Preisen? Mischt es den Markt auf? Das hat sich nicht nur die Konkurrenz gefragt, die letzten Wochen. Jetzt zeigt der erste Überblick, dass Lidl meist nur minim tiefer mit den Preisen geht. Schade, denn jetzt ist die Spannung weg, ob und wie stark Lidl den Konkurrenzkampf in Schwung bringen wird auf dem Schweizer Detailhandelsmarkt. Und die Anbieter werden einander weiter gegenseitig die Preise abschreiben.

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

 

3 Kommentare zu “Spaghetti-Spionage”



Markus Saurer

Schade, erscheinen im RSS-Feed dieses Blogs nur die Beiträge und nicht auch die Kommentare….

Ohne adäquate kompetitive Referenz (sei dies nun mangels Empirie ein plausibles ein Modell oder eben Empirie) können Sie sich überhaupt nicht für den richtigen Preis einsetzen. Und wenn – wie im Detailhandel – Wettbewerb über Breite und Tiefe von Sortimenten sowie über Standorte geführt wird, macht es gar keinen Sinn, dass sich die
Konsumentenschützer für irgend etwas einsetzen. Denn der Konsument kann dies per Abstimmung (Wahl seines Baskets) selber tun.



Sara Stalder

@Markus Saurer: Langfristig -das ist ökonomisches Grundwissen- gibt es für ein „Gut bestimmter Qualität“ auf dem freien Markt nur genau einen Preis. Das besagt das Gesetz des Einheitspreises. Doch in der Schweiz sind Produktpreise von diesem idealen Preis teilweise noch weit entfernt- nicht zuletzt wegen Unzulänglichkeiten im Wettbewerb. Unsere
Erfahrungen in der Marktrealität zeigen, dass Theorien zum Korrigieren der Missstände in der Wirklichkeit leider nicht das taugliche Mittel sind: Wir setzen uns weiterhin praxisnah für den richtigen Preis ein.



Markus Saurer

Der letzte Satz zeigt einmal mehr auf, wie unverblümt ahnungslos die SKS doch in Sachen Wettbewerbsökonomie ist.Die Mittel der SKS müssen schon sehr knapp sein, dass man sich nicht endlich ein Einführungsbuch in die Mikroökonomie leisten kann.

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