Startseite Blog Mit der Zeit gehen

Mit der Zeit gehen

Zürich ist neben Genf wohl die einzige Schweizer Stadt, die eine gewisse weltoffene Austrahlung hat, die Stadt, wo die Wirtschaft und Banken und der internationale Finanzplatz sich heimisch fühlen. Zürich tickt denn auch ein bisschen anders, schweizerisch zwar, aber doch anders, globaler sozusagen. Das zeigt sich unter anderem auch am Geschenk, das der Züricher Stadtpräsident seit neuestem seinen Gästen verschenkt: Eine zwar originelle, aber billige Plastikuhr mit einem Zürcher Panorama. Hergestellt wurde sie nicht etwa von Swatch, der Schweizer Firma, die günstige Uhren herstellt, sondern von einer Swatch-Tochter, die in China produzieren lässt. Damit lassen sich die Kosten der 1000 bestellten Uhren immerhin halbieren: Statt 24 Franken kosten sie nur noch 12 Franken pro Stück.

Der TagesAnzeiger titelte den Bericht über die Uhren: „Zürichs Stadtpräsident verschenkt chinesischen Sondermüll“. Die Uhren dürfen wegen der integrierten Batterie nicht in den Hauskehricht geworfen werden. Für die Billigproduktion hat sich der Zürcher Stadtpräsident entschieden, weil er sich auch dem Parlament und den SteuerzahlerInnen verpflichtet fühlt. Der Öffentlichkeit fühlt er sich offenbar weniger verpflichtet: Wo genau und unter welchen Bedingungen für die ArbeiterInnen die Uhr produziert wurde, bleibt im Dunkeln.

Das ist nicht die erste Geschichte dieser Art in Zürich: Tourismus Zürich hat vor drei Jahren Aluminium-Flaschen mit dem Aufdruck ZH2O als Souvenier an eine Stadt mit See und sauberem Wasser produzieren lassen – in China notabene. Die Flasche musste bald einmal aus dem Verkehr gezogen werden, weil wegen unsachgemässer Produktion Rostflecken auftraten.

Uhren sind eigentlich das Schweizer Produkt schlechthin, oder? Was aber, wenn sich nicht einmal die öffentliche Hand zu diesem „Schweizer“ Produkt bekennt? Freut Sie mehr, dass die öffentliche Hand offenbar auch dem Steuerfranken Sorge tragen will oder sind Sie der Meinung, dass man gerade für Schweizer Werte auch mit Schweizer Produkten werben sollte?

Vielleicht kann man die Uhren ja auch gezielter verschenken, dafür aber nur die Hälfte zum „Schweizer“ Preis produzieren? Aber so zu rechnen ist schon wieder kompliziert…

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

Es können keine Kommentare hinterlassen werden. Die Kommentarfunktion ist für diesen Beitrag deaktiviert.

Ratgeber

Ratgeber: Das ist Ihr gutes Recht

Gönnerpreis: 27.00 CHF
Normalpreis: 32.00 CHF

Miniratgeber: Spielzeug sicher und gefahrlos

Gönnerpreis: 4.50 CHF
Normalpreis: 9.50 CHF

E-Miniratgeber (PDF): Spielzeug sicher und gefahrlos

Gönnerpreis: 3.50 CHF
Normalpreis: 7.50 CHF

Hosting von oriented.net