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Vergoldete Karotten

Die Lebensmittelpreise steigen und sind- verglichen mit Anfang 2007- auf einem deutlich höheren Niveau. Was geschieht eigentlich? Öl-fördernde Länder bezichtigen den Bio-Treibstoff als Preistreiber. Die verarbeitende Lebensmittelindustrie schiebt den schwarzen Peter den hohen Öl- und Energiepreisen zu. Regierungen sehen den Hauptgrund in wechselnden Essgewohnheiten der Chinesen und Inder. Und schliesslich werden landwirtschaftliche Produkte in grossem Mass gekauft, nicht um sie zu verarbeiten oder zu verspeisen, sondern um sie zum idealen Zeitpunkt mit Gewinn weiterzuverkaufen. „Spekulation“ nennt sich das und scheint weltweit ein lukratives Geschäft zu sein. Natürlich wird von der Wirtschaft gerne betont, dass genau dieser Faktor einen geringen Einfluss auf die Preisgestaltung habe. Auf jeden Fall: Auch bei Reis, Weizen und Mais wirken Preismechanismen, die nicht schlüssig zu erklären sind (siehe Blog vom 08.09.08). Wir sind diesem Treiben ausgeliefert, denn es bestehen keine internationalen Gesetze, die entgegenwirken könnten.

Es gibt zum Glück Faktoren, mit denen wir sehr wohl unsere Ausgaben beeinflussen können. Um dies zu verdeutlichen, habe ich mich am vergangenen Samstag in einer Coop-Filiale umgeschaut: Hätten Sie es für möglich gehalten, dass der Wert von geschälten, in Streifen geschnittenen Karotten gegenüber ungeschälten um ein Mehrfaches ansteigt? In Zahlen ausgedrückt: um das Siebenfache erhöht sich der Wert der „orangen Wurzel“. So kosten 1 kg Rüebli -unverarbeitet, mit Schale- Fr. 1.25. Für ein Kilogramm Karottenstäbli -geschält und geschnitten, ohne weitere Zutaten- würden Sie Fr. 8.80 bezahlen. Beachtlich auch der Bohnenpreis: gerüstet kostet das frische Gemüse rund das Vierfache -verglichen mit den ungerüsteten Bohnen.

Auch ich beziehe in Notsituationen gewaschenen, geschnittenen Salat. Dies passiert jedoch im Bewusstsein, dass ich mir einen Luxus leiste und dass in ein, zwei Tagen der Sack geleert sein sollte. Das teure Produkt ist sehr anfällig und verdirbt ausserordentlich schnell.

Verarbeitete Lebensmittel weisen vielfach einen überrissenen Preis auf. Natürlich wird dem Konsumenten vermittelt, dass die schonende Zubereitungsart oder die erlesene (Hand-)Arbeit die Mehrkosten verursachen. Verschwiegen werden tunlichst die Kosten für Verpackung und Werbefeldzüge. Doch genau diese Faktoren machen oft den grössten Kostenanteil aus.

Beim nächsten Mal, wenn ich Rüebli schäle, beobachte ich die Verwandlung des Gemüses minutiös. Ich will herausfinden, welcher Prozess beim Schälen und Schneiden den Wert der Karotte versiebenfacht!

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

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