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Reisen Sie wohl!

Letztes Wochenende haben wir zu Hause einen Filmabend veranstaltet. „Im Juli“ hiess der Film und handelte von einem deutschen Lehrer, der allzu brav und angepasst in Hamburg lebt, bis er sich der Liebe wegen Hals über Kopf aufmacht nach Istanbul. Die Reise wird turbulent – das Auto seines Freundes gibt den Geist auf, irgendwo im Niemandsland kommen ihm Geld und Papiere abhanden. Zusammen mit seiner Begleiterin schummert er sich am Zoll vorbei, klaut ein Auto, macht Umwege, muss sich gar verprügeln lassen und kommt doch im letzten Moment am Ziel, in Istanbul, an. Zwei Stunden lang wunderbare Unterhaltung – genau so stelle ich mir reisen in meiner Fantasie vor. Abenteuerlich, unvorhersehbar und mit unerwarteten Begegnungen – auf die Prügelei könnte ich allerdings gut und gerne verzichten.

Als ich den Bericht eines schweizer Reisenden höre, kommt mir dieser Film in den Sinn und dass manchmal grosse Vorhaben an kleinen Hürden scheitern: Ein Radfahrer will früh am Morgen in Zürich in den ICN einsteigen. Um 6.00 Uhr früh hat er schon ein Billet für sich gelöst, für sein Velo eine Fahrrad-Fahrkarte von Fr. 10.- . Das Abenteuer kann also losgehen, Fahrer und Velo in den neuen Tag aufbrechen. Doch halt! Das Velo darf nur mit, wenn der Fahrer eine Reservationskarte für den ICN vorweisen kann. Diese Karte kostet nochmals Fr. 10.- . Das ist das eine. Das andere ist, dass der Velofahrer keine solche Karte hat und folglich auch nicht in den Zug einsteigen kann. Die Zugbegleiterin kann offenbar keine ausstellen und auch kein Auge zudrücken. So muss der Velofahrer – trotz leerem Veloabteil – sein Fahrrad wieder packen und sich am Morgen früh auf die Wartebank setzen. Nach 30 Minuten kommt der Regionalzug, den er samt seinem Gefährt ohne Reservationskarte besteigen darf.

Zeit genug, um sich kräftig zu ärgern – wer hockt schon gerne am Morgen um sechs am Bahnhof, mit einem gültigen Billet im Sack und lässt den Zug ziehen, mit dem er rasch ans Ziel gekommen wäre? Der Velofahrer hat reklamiert, an oberster Stelle bei der SBB: Warum soll er eine Reservationskarte kaufen? Und vor allem, wie kann er das wissen? Einen Hinweis hat er weder am Schalter erhalten noch war auf dem Velobillet eine Information zu finden. Die Antwort eines Sachbearbeiters war derart, dass sie den Velofahrer noch mehr in Rage brachte…

Unser deutscher Lehrer, hat er sich bei seiner Reise nach Istanbul wohl auch um solche Formalitäten kümmern müssen? Wohl kaum, er hätte sonst die Reise abgebrochen und wäre mit gebrochenem Herzen zurück nach Hamburg. Oder er wäre noch unterwegs und hätte sein Rendzvous in Istanbul längst verpasst. Vielleicht hat der junge Mann die Reise nicht nur seiner Liebe und Sehnsucht wegen geschafft, sondern weil er ohne Velo unterwegs war und vor allem seine Route von Hamburg nach Istanbul nicht durch die Schweiz führte?

Von meinen Reiseabenteuern kann ich Ihnen vielleicht anfangs August berichten – dann bin ich wieder zurück. Bis dahin wünsche ich Ihnen viel freie Zeit, ebenso viel Sonne, unerwartete, bereichernde Begegnungen und Zugbegleiterinnen, die ab und an ein Auge zudrücken!

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

 

 

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