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100’000 Euro

Nein, mit der Euro08 hat diese Geschichte wahrlich nichts zu tun:

Heute traf eine Mail mit unbekanntem Betreff ein, etwas an sich Alltägliches. Der wohlklingende italienische Name als Absender und der Betreff mit Zahlen und Buchstaben machten mich neugierig. Dem Virenprogramm vertraue ich grundsätzlich und daher öffnete ich die Nachricht. Seither weiss ich, dass ich nun um 100’000 Euro reicher bin. Leider habe ich es bisher versäumt, die angegebene Telefonnummer anzurufen oder den Link zu öffnen. Mir fehlen damit die nötigen Informationen, um weitere Schritte zu unternehmen und mich dem Geldsegen stetig zu nähern. Wobei: die angegebene Adresse mit entsprechender Telefonnummer tönt nicht italienisch sondern holländisch…

Wie schlage ich mich am Telefon in holländisch durch?

Tagtäglich befasse ich mich mit Betrügereien. Immer wieder wechselt das Aussehen oder die Form, aber es bleiben Betrügereien. Und doch: Auch diesmal bin ich versucht, die innere Stimme zu überhören. Genau meine Mailadresse wurde aus Aberhunderttausenden von Mailadressen herausgepickt- es könnte sich diesmal um eine echte Verlosung handeln! Bevor der Funken Hoffnung ein Begeisterungsfeuer entfacht kippe ich die Mail in den Papierkorb.

Sie lesen soeben und stellen fest, die Sache lässt mich noch nicht los. Mich beschäftigt, dass -als Strategie dieser Gaunerei- mit solchen Postsendungen tagtäglich grosse Hoffnungen geschürt werden. Wenn nicht heute, dann vielleicht morgen: Der Reiz, so nahe am Gewinn zu sein, ist riesig und verlockt.

Es ist zu hoffen, dass solche Betrügerein mit falschen Gewinnversprechungen endlich durch eine Gesetzesrevision verboten werden. Vorerst kann den Gutgläubigen kaltblütig das Geld aus der Tasche gezogen werden: Die Telefonrechnung ist horrend hoch, weil die angegebene Nummer kostenpflichtig war und auch nach langer Wartezeit keinen Erfolg brachte. Oder: Mit dem (falschen) Klick auf der verlinkten Site wurde ein Vertrag abgeschlossen- mit grossen Folgekosten.

Kaum verlasse ich am späten Nachmittag das Büro, treffe ich die ersten Frauen und Männer in orangen Shirts, mit Fantasiehüten und grünen Dosen. Da entwickelt sich eine Idee: Ob jemand dieser Fangemeinde das holländische Telefongespräch für mich übernehmen könnten? Wohlverstanden, nicht um den Gewinn einzufordern, sondern um klipp und klar durchzugeben, was ich von solchen Sendungen halte. Eine Schimpftirade in holländisch, ein wirklich verlockender Gedanke. Vielleicht angle ich morgen diese Gewinnmail aus dem Abfalleimer und suche mir eine orangfarbene Übersetzerin aus einer der drei Berner-Fanzonen?

Moment mal: Sollte ich meinen Anfangssatz nochmals überdenken?

Sara Stalder

Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

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